Wer gestern Abend in der AACHENER EINS EINS 4 war, hat etwas erlebt, das man wohl als politische Wellness fürs Gehirn bezeichnen könnte. Thilo Seibel brachte seinen Jahresrückblick 2025 auf die Bühne und legte direkt los mit einem Gedicht, das das komplette Jahr so charmant und treffsicher zusammenfasste, dass man kurz vergaß, wie anstrengend es eigentlich war.
Ein Höhepunkt folgte dem nächsten. In seiner legendären Talkshowrunde mit Markus Lanz schlüpfte Seibel mit Mimik, Stimme und einer Menge frecher Genauigkeit in die Rollen von Winfried Kretschmann, Julia Klöckner und Markus Söder. Innerhalb weniger Minuten stand eine ganze politische Großwetterlage auf der Bühne – inklusive der gewohnten Sticheleien, Widersprüche und rhetorischen Pirouetten. Und als wäre die reale Politik nicht schon skurril genug, toppte Seibel das Ganze mit einer Gollum-Imitation, die die Gier nach Macht und Geld so überspitzte, dass das Publikum zwischen Lachen und Erschrecken schwankte.
Auch Themen wie die USA und Trump, die Einführung von Palantir bei der Bundespolizei, Russlands Drohneneinsatz, der Ukraine-Krieg und sogar der Sport waren Teil des Abends. Seibel zeigte: Kein Thema ist zu komplex, zu alltäglich oder zu schräg, um kabarettistisch zerlegt zu werden.
Zum Finale des Abends stand die Wahl zum „Zitat des Jahres“ an. Nach einem augenzwinkernden Auswahlverfahren setzte sich Joseph Jebellis weisen Worte durch:
„Je mehr Zeit man mit Nichtstun verbringt, desto besser ist das für das Gehirn.“
Knapp dahinter: „Trump hat keine Eier“ und der wissenschaftlich fundierte Evergreen „In der Nase bohren ist schwieriger als Schach“ von Constantin Rothkopf.
Ein Abend voller Tempo, Witz und politischer Schärfe – und einer, der gezeigt hat, dass Kabarett auch in turbulenten Zeiten wunderbar gut tun kann.
Wir bedanken uns herzlich bei Thilo Seibel und bei allen Gästen, die diesen Abend mit uns geteilt haben.